auf den Punkt gebracht


Wildschweine im Revier



Sauen im Revier, das lässt jedes Jägerherz höher schlagen, insbesondere dann, wenn diese erstmalig auftauchen. Was tun wir? Natürlich ankirren, denn sie sind zweifellos ein interessantes Jagdwild und bereichern (?) unser Revier.

Der natürliche Lebensraum der Wildschweine besteht aus großen Laubwäldern mit masttragenden Bäumen (Eichen, Buchen). Mastjahre, die durch die Klimaerwärmung schon zur Regel geworden sind, heizen die Vermehrungsfreudigkeit der Schweine ebenso an, wie der landesweit zunehmende Maisanbau. Durch die stetige Expansion der Wildschweinpopulationen tauchen diese plötzlich in Revieren auf, wo es zuvor nie Wildschweine gab. Nun tritt oben genannte Situation (erster Absatz) ein.
Kirrungen sind jagdstrategisch günstige Plätze, an denen durch Ausbringung von Lockfutter die gewünschte Wildart stetig gemacht, und von den Schadensflächen abgelenkt werden soll, um diese effektiver bejagen zu können. Wenn aber im Umfeld schon größere Mengen Futter (Eichen, Buchen, Maisfelder usw.) vorhanden sind, muss die Menge des Lockfutters auch quantitativ konkurrieren können. Damit heizen wir aber die Populationsdynamik noch mehr an. Den Überschuss dann auch noch so ausreichend jagdlich zu nutzen, dass keine Wildschäden entstehen und der Expansion Einhalt geboten wird, dazu sind dann aber bei derzeitiger Jagdpraxis und Rechtslage wir Jäger nicht mehr im Stande, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Die Geister die ich reif, werd ich nun nimmer los.
Darüber hinaus belegen langjährige Studien, dass die durchschnittlich ausgebrachte Lockfuttermenge den Verkaufswert einer erlegten Wildsau um ein Vielfaches übersteigt.
Die seit Jahrzehnten zu beobachtende Wildschweinexpansion birgt nicht nur die Gefahr von Wildseuchen, sondern erfüllt Landwirte und Jagdpächter wegen der zunehmenden Wildschäden mit großer Sorge. Es gibt bereits Reviere, die wegen der unkalkulierbaren Wildschweinschäden nicht mehr verpachtbar sind. Von der katastrophalen Situation z.B. in Berlin (auch Augsburg lässt grüßen) ganz zu schweigen.

Fazit: Bisherige Jagdpraxis, SIS-Info, Schwarzwildarbeitskreise, Schwarzwildstudie 2014, versuchsweise Einsatz von Nachtsichtgeräten (obwohl seit 15 Jahren Praxis in der Schweiz belegt ist, dass dies auch nichts an der Schwarzwildexpansion ändert), und immer wieder neue Blabla-Konferenzen mit hochrangiger Besetzung bei denen nichts zielführendes heraus kommt, beweisen nur eines: Weder die gutwillige Jägerschaft noch die Entscheidungsträger waren bisher in der Lage, die Problematik zu lösen. Man vertröstet von einer Studie zur anderen. Neueste Hoffnung: Kernthema Regulierung des Schwarzwildes 2015 der Bayerischen Akademie für Jagd und Natur des Bayerischen Landesjagdverbandes. Viele Jagdgenossen fühlen sich von dieser Hinhaltetaktik verarscht und sehen sich in ihrem Vorurteil: Jäger = Lügner = Gegner, bestätigt. Das schadet dem Ansehen der ganzen Jägerschaft.

Meine Strategieempfehlung lautet deshalb:
1.) Auf keinen Fall Wildschweine anfüttern
2.)
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Wo Sauen auftauchen und Schaden verursachen, sofort massiven Jagddruck erzeugen (Schwerpunktbejagung).
3.)
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In größeren Maisschlägen Schussgassen quer zu den Maiszeilen anlegen, um die Bejagung zu erleichtern. Landwirte, die sich hier verweigern, brauchen sich nicht über Wildschadensauseinadersetzungen zu wundern.
4.)
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Vorübergehend in Jagdpachtverträgen die unvermeidlichen Wildschäden auf mehrere Schultern verteilen (Jagdpächter und Jagdgenossenschaft). Wildschadensausgleichskassen lösen das Problem allerdings nicht.
5.)
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Auf eine Änderung der Rechtslage (sachliche Verbote § 19(1)7 BJagdG + Art. 29(2)2 BayJG) hinwirken, um Saufänge zu legalisieren, nur so lassen sich Wildschweine dauerhaft effektiv regulieren. Übergangsweise die derzeitige Rechtslage nutzen: Ausnahmegenehmigung zur Errichtung eines Saufanges bei der zuständige Jagdbehörde beantragen (Art. 29(3) BayJG).


Reiner Gubitz
Dezember 2015