auf den Punkt gebracht



Deutsche Waidgerechtigkeit


Nach § 1 (3) des Bundesjagdgesetzes sind bei der Ausübung der Jagd die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit zu beachten. Was das genau bedeutet, ist nicht weiter ausgeführt. Bei schwerer oder wiederholter Nichtbeachtung kann die Erteilung eines Jagdscheines versagt, oder der Jagdschein eingezogen werden (§§ 17 (2) 4 und 18 BJagdG).

Aber was ist nun die „Deutsche Waidgerechtigkeit“? Sicherlich in erster Linie die Beachtung der jagdrechtlichen Vorschriften allgemein, insbesondere natürlich die sachlichen Verbote und OWi (§§19, 19a, 20 u. 39 BJagdG, Art. 29 u. 56 BayJG).

Im weitesten Sinne gehören hierzu m.E. natürlich auch die Einhaltung weiterer einschlägiger Rechtsvorschriften, wie z.B. das Tierschutzgesetz, Naturschutzgesetz, Waldgesetz, WaffG, BGB, StGB usw.

Unabdingbar erscheint mir auch die Berücksichtigung gesicherter wildbiologischer Erkenntnisse, sowie die Nutzung fortschrittlicher legaler technischer Möglichkeiten.

Da Gesetze bisweilen geändert werden, sich wissenschaftliche und technische Neuerung ergeben, die Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft Schwankungen ausgesetzt ist, unterliegt deshalb auch der Begriff der deutschen Waidgerechtigkeit dem Wandel der Zeit.

Althergebrachte jagdliche Traditionen, die im Umfeld ihrer Zeit gewaschen sind, müssen natürlich nicht plötzlich allesamt falsch sein, aber sie sollten durchaus immer wieder kritischer Betrachtungsweise unterzogen werden. Es gilt die ganze Natur in ihrer Gesamtheit im Auge zu behalten, rücksichtsvollen Umgang mit den Wildtieren zu pflegen, aber auch die Befindlichkeiten seiner Mitmenschen nicht außer Acht zu lassen. Beim Umgang der Jäger untereinander siegen leider oft Emotionen über Vernunft. Aber auch hier gilt,

sich ganz einfach genauso anständig zu benehmen, wie im übrigen Leben auch,

das ist das Patentrezept zur deutschen Waidgerechtigkeit.



Reiner Gubitz