Stellungnahme zur Pressemitteilung des Bayerischen Landesjagdverband e.V. vom 19.1.2017 zum Thema Notzeit: Reh- und Rotwildfütterungen

Fütterungen verhindern nicht automatisch Verbiss, im Gegenteil. Grundsätzlich führt jede Wildkonzentration im Umfeld von Fütterungen automatisch zu erhöhtem Verbiss, das weiß jeder Fachmann und ist durch viele Ortsbesichtigungen bewiesen. Der BJV bleibt die Nennung der Studien, auf die er sich bezieht schuldig.

Wann Notzeit herrscht, ist leider im Jagdrecht nicht ausreichend definiert. Warum dies vom BJV als Frage formuliert wird, kann nicht dadurch beantwortet werden, dass die Interpretation den jeweiligen Revierinhabern zu überlassen sei. (Anmerkung des Unterzeichners: Genauso irrig ist die Ansicht mancher Beratungsförster, dass diese Interpretation in den Eigenbewirtschaftungsrevieren den Jagdvorstehern zustünde).

Richtig wird festgestellt, dass Wild den jahreszeitlich bedingten Nahrungseng-pässen angepasst ist. Es kann deshalb bei den landeskulturellen Verhältnissen angepassten Wildbeständen (wie dies Art. 1 BayJG vorschreibt) nicht verhungern (bis auf wenige Ausnahmen. Das ist aber Natur!).

Ob das Wild Not leidet hängt deshalb nur bedingt vom Menschen ab. Zum Beispiel bei zu viel Wild durch Überhege (Folge zu geringer Abschüsse), was der Jäger zu verantworten hat, oder bei Störungen in den Einständen bei extrem hoher Schneelage oder extremen Minustemperaturen.

Der BJV stellt den Art. 43 Abs. 3 BayJG (Fütterungspflicht) in den Vordergrund. Vorrangig sind jedoch § 1 BJagdG und Art. 1 BayJG (…einen den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten, … Wildbestand, sowie die Pflege und Sicherung seiner natürlichen Lebensgrundlagen, sowie Art 43 Abs. 1 BayJG (…der Revierinhaber ist im Zusammenwirken mit den Grundstückseigentümern zum Schutz und zur Pflege der natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes verpflichtet), und Art. 43 Abs. 2 BayJG: Durch die Fütterung darf das Hegeziel (Hegeziel = den landeskulturellen Verhältnissen angepasste Wildbestände § 1 BJagdG und Art. 1 BayJG), nicht gefährdet werden.

Die Feststellung des BJV, dass die angeblich so wichtige Fütterungspflicht nach Art. 43 Abs. 3 BayJG eigentlich alle Wildarten betrifft ist zwar richtig, wird aber dann faktisch letztendlich nur auf die beiden Schalenwildarten Reh und Hirsch reduziert. Die Schlussfolgerung daraus kann deshalb nur sein, dass weniger die angeblichen Tierschutzgründe entscheidend sind, sondern vielmehr die egoistischen wirtschaftlichen und jagdtaktischen Eigeninteressen der Jäger auf möglichst üppige Schalenwildbestände.

Immerhin empfiehlt der BJV auf Kraftfuttergaben zu verzichten. Eine nicht an die physiologischen Gegebenheiten der jeweiligen Tierart angepassten Fütterung kann mehr schaden als nutzen, wird immerhin richtigerweise festgestellt; Das ist aber bereits nach § 23a (2) 1 AVBayJG verboten.

Wer eine Notzeitfütterung verweigert, so der BJV, begehe eine massive Straftat. Dementsprechend müssten sich alle Jäger, die nur Reh und Hirsch füttern, oder nicht mal diese, strafbar machen. Tatsächlich ist dies jedoch nur eine OWi nach Art. 56 (1) 13 BayJG. Regelmäßig wird diese OWi von den Jagdbehörden aber aus guten Gründen nicht geahndet.



Reiner Gubitz, 23. Januar 2017