Auszug aus der Broschüre "Eigenbewirtschaftung der Jagd" im Gemeinschaftsjagdrevier in Bayern“ von Reiner Gubitz, Seite 6, Kapitel 05

05 Rechtsgrundlagen


Die Jagdgenossenschaft kann ihr Jagdrecht außer durch Verpachtung auch durch angestellte Jäger selber nutzen (§ 10(2) BJagdG u. Art. 12(2) BayJG). Diese Form der Jagdnutzung bezeichnet man im Allgemeinen als Eigenbewirtschaftung.
Als angestellte Jäger kommen nur Berufsjäger oder bestätigte Jagdaufseher in Betracht (§ 6 (2) k Anl. 1 zur AVBayJG).
Der angestellte Jäger ist als verantwortlicher Revierinhaber gemäß Anstellungs-vertrag zur Jagdausübung und zum Jagdschutz verpflichtet (§ 25(1) BJagdG, Art. 7(1) u. 40(2) BayJG). Er benötigt keinen Jagderlaubnisschein (Art. 17(5) BayJG). Er ist Jagdvertragspartner und nicht Inhaber einer Jagderlaubnis(!!!), wie das fälschlicherweise in einem bedeutenden Jagdrechtskommentar dargestellt wird.

Es dürfen nicht mehr Jäger angestellt werden, als es Jagdpächter sein dürfen (Art. 12(2) BayJG). Als Jagdaufseher dürfen nur solche Jagdscheininhaber bestätigt werden, die über die nötige persönliche Zuverlässigkeit und fachliche Qualifikation verfügen (Art. 41(2) BayJG). Die fachliche Eignung wird in der Regel durch mehrjährige praktische Erfahrung in der Revierbetreuung und die erforderlichen Kenntnisse über die Aufgaben und Befugnisse von bestätigten Jagdaufsehern nachgewiesen. Als Kenntnisse werden insbesondere die Teilnahme an entsprechenden Fachlehrgängen angesehen (Schr.d.ByStMfELF v. 23.6.89, R4-7902-145). Ansonsten versteht es sich von selbst, dass ein Jäger in leitender Funktion in seiner fachlichen Qualifikation auf jeden Fall besser als ein Druchschnittsfreizeitjäger sein sollte.

Soweit vom Revierinhaber (= angestellter Jäger) gem. Art. 17(1) BayJG Jagderlaubnisse an andere Jäger, die den Status von Jagdgästen haben, vergeben werden, sind Art. 12(1) Satz 2 u. 3, Art. 17(2) BayJG und § 9 AVBayJG zu beachten.

Der angestellte Jäger führt für das ganze Revier die Streckenlisten. Er ist für die Erfüllung des Abschussplanes verantwortlich (§ 16 AV BayJG).

Jagdgäste mit Dauerjagderlaubnisschein sind dem Jagdvorsteher zu melden (Art. 12(1) Satz 3 BayJG). Die Jagdgenossenschaft kann allerdings die Erteilung von Dauerjagderlaubnissen davon abhängig machen, dass ortsansässige jagdpachtfähige Personen angemessen berücksichtigt werden (Art. 12(1) BayJG). Nicht vorgeschrieben, aber dem normalen Anstand entsprechend, sollte der angestellte Jäger die Hinzuziehung von Jagdgästen natürlich mit der Jagdgenossenschaft absprechen.

Rechtsstellung und Aufgaben des Jagdvorstehers sind in der Satzung der Jagdgenossenschaften geregelt (Anl. 1 zur AVBayJG). Er ist juristischer Vertreter der Jagdgenossenschaft. Seine Vertretungsvollmacht ist im Gegensatz zu einem Indianerhäuptling auf die Durchführung der gesetzmäßig und ordnungsgemäß zustande gekommenen Beschlüsse der Jagdgenossenschaftsorgane beschränkt (§ 11 der Anl. 1 zur AVBayJG). Er ist also weder befugt noch qualifiziert die Jagd zu leiten, weil er nicht Revierinhaber i.S. des Jagdrechtes ist, es sei denn er ist Jagdscheininhaber und der von der Jagdgenossenschaft angestellte Jäger.

Verschiedene Empfehlungen von Verbänden und staatlichen Institutionen, die darauf hinaus laufen, den angestellten Jäger nur als Strohmann zu benützen, um das Jagdrevier in Pirschbezirke aufgeteilt an befristete Jagderlaubnisscheininhaber zu vergeben, entbehrt nicht nur einer Rechtsgrundlage, sondern bedeutet eine rechtswidrige Umgehung geltenden Jagdrechtes (Art. 17(1) u. 10(4) BayJG). Vom Jagdvorsteher, der nicht Revierinhaber i.S.d. Jagdgesetzes ist, unterzeichnete Jagderlaubnisscheine sind ungültig. Darüber hinaus sind Jagderlaubnisverträge, auch mündliche, zwischen Jagdgenossenschaft und Pirschbezirkler, die weder Jagdpächter noch angestellte Jäger sind, ebenfalls wegen mangelnder Rechtsgrundlage ungültig. Rechtswidrige Verträge sind jedoch von vornherein nichtig. Solch falsch beratene Jagdgenossenschaften werden spätestens bei den allfälligen Rechtsstreitigkeiten unterliegen.